SSV HOYERSWERDA E.V.

Schwimmen | Triathlon | Volleyball

MITGLIED WERDEN!
Von Mirko Kolodziej, Sächsische Zeitung 24.01.2008
Zurück in die Sonne geht es am Sonntag für eine brasilianische Austauschschülerin. Ihr Landsmann bleibt noch in Hoyerswerda.
Für morgen hat Leticia Ferreira de Souza ihre neuen Freunde zur Abschiedsfete eingeladen. Am Sonntag geht das Flugzeug zurück in ihre brasilianische Heimat; dorthin, wo momentan Sommer ist und es deswegen das gibt, was das Mädchen in den letzten Wochen am meisten vermisst hat: "Mir fehlt Sonne!"Die 16-Jährige aus São Carlos im Bundesstaat São Paulo lernte über den Schüler-Austausch-Verein Nacel Open Door knapp ein halbes Jahr lang am Hoyerswerdaer Lessing-Gymnasium, lebte während dieser Zeit bei einer Gastfamilie in Weißkollm und traf hier in Hoyerswerda eher zufällig auf Gustavo Ziemath. Zuhause ist der 17-Jährige ein paar hundert Kilometer südlich von Sâo Carlos, nämlich in Joinville im Bundesstaat Santa Catarina. Viele Menschen in der Stadt unweit des südlichen Atlantik sind deutscher Abstammung. Gustavos Urgroßvater etwa wanderte aus Breslau, dem heutigen Wroclaw in der polnischen Republik, aus. Der umgekehrte Weg Sein Urenkel nahm im Sommer mit Hilfe der Organisation Rotary International den umgekehrten Weg, lernt seitdem für ein Jahr am Christlichen Gymnasium Johanneum, lebt bei einer Gastfamilie in Neuwiese und hat sich als passionierter Schwimmer dem Schwimmsportverein Hoyerswerda angeschlossen: "Das sind inzwischen meine Freunde." Brasilien hat 178 Millionen Einwohner. Leticia und Gustavo sind nicht die ersten, die Hoyerswerda besuchen. Bis zum Sommer etwa lernte Rodrigo Augusto Folegatti am Johanneum und 2005 war Camila Campos Austauschschülerin am Léon-Foucault-Gymnasium. Erzählt man Gustavo und Leticia davon und fragt nach Gründen, zucken sie ein wenig ratlos die Schultern. So richtig ausgesucht haben sie sich Hoyerswerda nicht. Ihre Austauschorganisationen haben sie in die Lausitz geschickt. Keine Sorge wurde wahr "Die Menschen hier sind viel netter, als ich befürchtet hatte", sagt Gustavo und Leticia berichtet, keine ihrer Sorgen habe sich bewahrheitet: "Ich hatte Angst vor allem, vor den Leuten und der Schule zum Beispiel." Nun lobt sie europäischen Ketchup, Milka-Schokolade, ihre Gastfamilie und ihre Schule. Eigentlich ist ?loben? ein zu schwaches Wort. Leticia schwärmt. Und manche schwärmen zurück. Inge Bormann ist Lehrerin am Lessing-Gymnasium. So, wie sie mit Leticia umgeht, könnte man denken, die beiden seien Schwestern oder zumindest ein Leben lang befreundet. Die Pädagogin erzählt begeistert, dass Leticia sich in der Theatergruppe und beim Jazzdance engagiert habe: "Sie hat alles mitgenommen, was ging." Alles außer Niederbayrisch Das Mädchen war sogar mit an der Lessing-Partnerschule in Pocking. Dort spricht man niederbayerisch. "Ich habe kein Wort verstanden", lacht Leticia, die seit drei Jahren privaten Deutsch-Unterricht nimmt. Sie begründet das unter anderem mit ihrem Interesse an deutscher Geschichte. Sie wird wohl ihr Leben lang auch nicht vergessen, dass sie in Weißkollm die erste Begegnung mit echtem Schnee hatte. Im Schlafanzug lief sie in den Garten: "Das war so magic." Daheim ist jetzt Sommer mit 28 bis 30 Grad. In Gustavos Heimatstadt werden es winters höchstens drei Grad. Plus! Man wäre eigentlich ganz gern dabei, wenn er jetzt mit dem Johanneum ins Skilager fährt. Adeuzinho, Leticia, alô, Gustavo! = Portugiesisch für Auf Wiedersehen (tschüß), Leticia; hallo, Gustavo. In Brasilien wird auch Spanisch gesprochen, die bevorzugte Sprache ist jedoch das für vornehmer (und melodischer) gehaltene Portugiesisch. Spanisch hieße die Formel etwa "Hasta luego, Leticia; hola, Gustavo!"